Tod König Friedrich Wilhelm Des Zweiten

Eine weitere Episode aus Marwitz’s Lebensbeschreibung, dieses Mal bei der Trauerfeier Friedrich Wilhelm des Zweiten in 1797 (die paragraphen sind meine):

Nun mußten die Generale und Minister in’s Gwölbe gehen, um den Sarg auf seinen Platz zu bringen. Wir Lieutenants stiegen also die Stufen empor, um die Reichs-Insignien von den Ministern in Empfang zu nehmen.

Hierbei ereignete sich ein sonderbarer Zufall von hochmüthiger Keckheit. Ich habe schon erwähnt, daß die Gensd’armen den Vorrang vor den übrigen Truppen hatten. Garde du Corps waren nicht zugegen, also kam es meinem ältern Kameraden (einem Grafen Schwerin) und mir, zu, die beiden Hauptstücke, Krone und Scepter, zu tragen. Wir erklärten dies. Neun Infanterie-Lieutenants, die dabei waren, wußten Bescheid und widersprachen nicht. Von den Ziethen’schen Husaren aber war Lieutenant v. Warburg dabei (der noch als General-Major lebt), dieser declarirte, sein Regiment, als Leibhusaren, werde davon nicht betroffen und rangire mit uns gleich; — überdies sey er älter im Dienste, als wir beide. — Wir bewiesen die gänzliche Nichtigkeit und sogar Neuheit der Behauptung, und erklärten, wir würden von Krone und Scepter nicht lassen.

Da lenkte er plötzlich um, und sagte: “er würde ihm das Reichspanier übergeben” (NB. Dies sah ganz prächtig aus, und mußte über den ganzen Lustgarten hin in die Augen fallen.) Die Absurdität dieser Behauptung war augenscheinlich, — was ging es Möllendorf an, wo das Reichspanier blieb? — Ich machte bemerklich, daß es nicht einmal zu den Reichs-Insignien gehöre, und auch nur zwölf, nicht dreizehn Lieutenants kommandiert wären. — In der That sollte es auch auf dem Katafalk stehen bleiben.

Indessen hatte die Lust, mit der großen Fahne vor uns herzugehen, und so, scheinbar, den ersten Rang zu behaupten, einen zu großen Reiz für ihn. Wie wir den Katafalk hinaufstiegen und Schwerin die Krone, ich aber den Scepter ergriffen, ging er keck vorbei, und nahm dem Feldmarschall das Reichspanier weg. Der sah höchst verwundert aus, mochte aber wohl glauben, es sey so angeordnet, oder wollte in der Kirche keine Störung verursachen, genug, Warburg eroberte die Fahne, und schritt vor uns her.

Die Folge war, daß ein Träger zu wenig war, und dem letzten, dem Artilleristen, zwei Insignien aufgepackt und von zweien Seiten des Sarges her geholt werden mußten. Neben jedem von uns ging ein veredeter Tresor-Diener, bei dem Artilleristen also zwei, der kein Auge von dem Kleinode verwandte, gleich als ob wir auf der Straße, und ein Kissen mit beiden Armen tragend, etwa Juwelen aus selbigen ausbrechen könnten. Als wir in der Schatzkammer angekommen waren, wußten die Tresorleute nicht, was sie mit dem Reichspanier anfangen sollten, das gar nicht dahin gehörte. Es wurde in einer Vorstube in den Winkel gestellt — Aber Warburg war voller Freude über seine Streich.

For any English readers, a brief summary:

The Gensd’armes Regiment (to which von der Marwitz belonged) was the premier Prussian regiment, and so had the honour to carry the Imperial Regalia from the royal hearse to the Treasury. Twelve officers took the detail, with von der Marwitz and a von Schwerin leading with the Sceptre and Crown respectively. An officer from Zieten’s Hussars, a certain von Warburg, however protests that his regiment is not represented and that he has more service time than Marwitz and Schwerin so should also take part. On hearing that the Crown and Sceptre are not going to be surrendered Warburg announces that he will take the rather impressive Imperial Standard instead. Marwitz points out that the Standard doesn’t belong to the Imperial Regalia and that only twelve officers can go to the Treasury.

Warburg ignores this and taking the Standard from the bemused Field Marshall walks proudly in front of the procession. Of course this means that the last officer has to take two items of the crown regalia (from opposite sides of the hearse) as there can be only twelve in the procession. Also, as each item of regalia has its own servant to keep an eye on it (like we’re going to run off with them, thinks Marwitz), the last man also has to be accompanied by two servants, which must have looked a little odd.

When they get to the Treasury the staff don’t know what to do with the Standard as it doesn’t belong there, so they just stand it in the corner. Warburg however is mightily pleased with himself.

Grown Prussian officers arguing over who will carry what, at the King’s funeral. Spoils the illusion a little.

Schröckh’s Allgemeine Weltgeschichte für Kinder

I found the entry in Marwitz’s Nachlasse about his education interesting, interesting enough to obtain a 1781 copy of one of his textbooks. The idea of seeing part of that which informed the mind of someone of his time and class was just too tempting. Undoubtedly it will be the source of several more barely readable posts. 236 years old!

Marwitz-Nachlasse-24

Zucker

Diesen Auszug aus Marwitz’s Nachlasse (S. 55) hat mich zum Lachen gebracht:

Ich wurde unterwegs durch und durch naß und ernstlich unwohl. Wie ich ihm dies schrieb, und mich etwas zu viel über den ausgestandenen Regen ausließ, antwortete er: “es thut mir leid, daß Du so naß geworden, unterdessen da Du nicht von Zucker bist, brauchst Du auch nicht so vielen Lärm darum zu machen.” Von meinen Schwestern erfuhr ich aber nachher, daß er viele Besorgniß um mich geäußert habe, auch schickte er den General Goltz an mich ab, der sehen mußte, wie es mir gehe. Ich war schon wieder besser.

Der Kutscher Pfund

This time from Friedrich von der Marwitz’s Lebensbeschreibung.

Marwitz-1

Von der Marwitz tells us that whilst travelling Frederick the Great liked to stay with local preachers, mainly because there was a bit less fuss than staying in the towns themselves. For this he always paid 50 Thalers for a midday stop and 100 Thalers for an overnight stay, plus expenses. A reasonable sum.

Apparently his long-time trusty coachman Pfund (you can still see him driving the chariot on top of Brandenburger Tor) used this as an excuse to extort 10 Thalers from the relevant preachers beforehand, as a guarantee that the King would indeed stop with them.

Unfortunately in 1782 or 1783, as the young von der Marwitz met the king, the recently installed preacher in Dolgelin was unaware of this practice and failed to cough up, so Pfund thrashed the horses so as to get to the nearby town of Müncheberg where he could collect.

I wonder if Fritz knew…

Interestingly this story doesn’t tie in with the dates of Pfund’s service given in Wikipedia, which state that he retired in 1776. A mistake in von der Marwitz’s recollection or with Wikipedia’s sources?

Monbijouplatz and Modernity 

Well here I am in a hotel on Monbijouplatz on the 18th März, I knew the Schloß was no longer here but a plaque might have been nice. Same for In den Zelten; no sign it ever existed. I’m a little disappointed in the modern Germans, I know they want to forget the 1930’s but forgetting the 18th and 19th centuries seems like babies and bathwater (a German saying according to Carlyle I believe). 

On the upside, I’m writing this in the pub after eating Königsberger Klopse. 

*Edit: I may have been a little hasty, there is at least an information board… 

William I – Todestag

Today is the Anniversary of the death of William I, last solely Prussian King, and the passing of the crown, briefly unfortunately, to his son Frederick III.

It’s fair to say I think, that with Frederick’s early death things went downhill from here.

Although a little unfair, as he proved by all accounts to be a popular monarch, here’s a little ditty from 1848 when he was still referred to as the Kartätschenprinz (Grapeshot Prince):

Wir wollen ihn nicht haben
Den Herrn Kartätschenprinz
Mag Rußland ihn begraben
In seiner Eisprovinz
Mag er darauf verzichten
Zu herrschen einst am Rhein
Wir wollen ihn mit nichten
Den Bürgermörder – Nein

Wir wollen ihn nicht haben
Den Schild der Despotie
Der für der Freiheit Gaben
Nie fühlte Sympathie
Der nur die Frucht vom Fleiße
Des armen Volks genießt
Und dann als erster Preuße
Dasselbe niederschießt

Wir wollen ihn nicht haben
Den Groß=Parade=Held
Der uns´re wackre Knaben
Als seine Puppen hält
Der um das Volk zu knechten
Zum Brudermord sie zwingt
Und uns statt deutschen Rechten
Nur Rußlands Knute bringt

Wir alle wollen haben
Am freien deutschen Rhein
Das Königtum begraben
Und selbst Regenten sein
Nur dann erblüht für Jeden
Der Freiheit goldnes Glück
Drum fort mit Majestäten
Es leb die Republik

Source: Volksliederarchiv.

Die Schlacht bei Zorndorf – Schluß

Ich habe letzte Nacht “Die Schlacht bei Zorndorf” ausgelesen. Es hat mir sehr gut gefallen.

Ein Paar anschließende Anmerkungen:

sack-rede-kleinIn dieser Rede des Hof- und Dompredigers Friedrich Wilhelm Sack über den Sieg sind die Wörter HErr und GOtt doppelkapitalisiert, vermutlich aus Pietät (?). Das habe ich niemals vorher gesehen.

 

Schließlich, für den heutigen Geschmack ein bißchen übertrieben, aber was für ein Ende:

 

Wendet, Preußen, den Blick! o, wende zurück ihn auf Zorndorf!

Seht, wie mit Geistes Tritt Friedrich dem Osten sich stellt!

Furchtbar naht sich der Schwarm als dräunde rohe Naturmacht;

Aber mit Donnerton ruft ihm der König das: “Halt!”

 

Am Ende ist die Sache nicht so gut gegangen…